Evozierte Potentiale

Nervenleitbahnen zuverlässig überprüfen

Evozierte Potentiale (EP) sind ein bewährtes neurologisches Untersuchungsverfahren, mit dem die Funktion verschiedener Nervenbahnen zwischen Sinnesorganen, Rückenmark und Gehirn überprüft wird. Dabei werden schwache elektrische Signale gemessen, die als Reaktion auf gezielte Reize entstehen. So lässt sich feststellen, ob die Weiterleitung von Nervenimpulsen normal funktioniert oder verlangsamt beziehungsweise gestört ist.

Die Untersuchung ermöglicht es, Funktionsstörungen des zentralen und peripheren Nervensystems frühzeitig zu erkennen – häufig bereits bevor sie in anderen Untersuchungen sichtbar werden.

Wann werden evozierte Potentiale eingesetzt?

Evozierte Potentiale unterstützen die Diagnostik unter anderem bei:

  • Multipler Sklerose (MS)

  • Erkrankungen des Rückenmarks

  • Schädigungen peripherer Nerven

  • Schlaganfall

  • Sehnervenerkrankungen

  • Hörstörungen

  • Erkrankungen der sensiblen Nervenbahnen

Je nach Fragestellung können unterschiedliche Formen der evozierten Potentiale untersucht werden, beispielsweise visuelle (VEP), akustische (AEP/BERA) oder somatosensible evozierte Potentiale (SEP).

Wie läuft die Untersuchung ab?

Je nach Untersuchungsziel werden Lichtreize, akustische Reize oder leichte elektrische Impulse an Arm oder Bein eingesetzt. Die dadurch ausgelösten Antworten des Nervensystems werden über Elektroden schmerzfrei an der Kopfhaut oder der Hautoberfläche abgeleitet und aufgezeichnet.

Bei den somatosensiblen evozierten Potentialen (SEP) erreicht die Antwort des Gehirns nach einer Reizung des Arms bereits nach etwa 20 Millisekunden, nach einer Reizung des Beins nach etwa 40 Millisekunden das Gehirn. Aus der Zeit bis zum Eintreffen des Signals lassen sich Rückschlüsse auf die Funktion der Nervenbahnen ziehen.

Ist die Untersuchung schmerzhaft?

Die Untersuchung ist gut verträglich. Während der Ableitung sollten Sie möglichst entspannt sitzen oder liegen. Die elektrischen Reize werden meist als leichtes Klopfen oder Kribbeln wahrgenommen und sind in der Regel nicht unangenehm.

Eine frühzeitige Diagnose von Funktionsstörungen des Nervensystems ermöglicht häufig eine gezielte Behandlung und kann dazu beitragen, das Fortschreiten neurologischer Erkrankungen zu verlangsamen oder Komplikationen zu vermeiden.

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Prof. Dr. med. Christina Haubrich und Nina Salimi (Fachärztinnen für Neurologie)

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